Münster (KNA) Eine Deutsche Initiative für den Nahen Osten (DINO)
haben namhafte Religionsvertreter und Politiker am Freitag in Münster
gegründet.
Ziel sei, Verständnis für die
komplizierten Zusammenhänge in der Region zu schaffen und zur
Friedenslösung beizutragen, sagte Sprecher Manfred Erdenberger am
Freitag vor der Presse.
Der melkitische Patriarch von
Antiochien, Alexandrien, Jerusalem und dem ganzen Orient, Gregoire
III., betonte, Europa und Deutschland hätten eine Schlüsselrolle für
die Friedenssuche. Muslime, Christen und Juden in Nahost sähen
europäische Länder als Partner an. Das unterscheide sie von den USA,
die von der Kultur des östlichen Mittelmeeres zu weit weg seien.
Die neue Initiative will
Informationen sammeln, die frei von politischen, militärischen und
religiösen Einflüssen sind. Es sei eine Schande, dass die Milliarden
starke Weltgemeinschaft keinen Frieden für die zehn Millionen
Einwohner zählende Region zu schaffen imstande sei, beklagte der mit
Rom unierte Patriarch, der 14 melkitischen Bistümern in Syrien,
Libanon, Jordanien und Israel vorsteht.
Mehr Unterstützung für
Christen
Gregoire III. forderte
insbesondere mehr Unterstützung für die Christen im Nahen Osten. Diese
kleiner werdende Minderheit sei fester Bestandteil der arabischen Welt
und könne auf eine 1.400-jährige Erfahrung im Zusammenleben mit dem
Islam zurückblicken. Ihr Verschwinden würde die Fronten zwischen Islam
und Judentum verhärten, betonte der in Damaskus residierende
Patriarch.
Gründungsmitglieder sind neben
Gregoire III. der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi
Primor, CDU-Politikerin Rita Süssmuth, der frühere Botschafter in
Israel, Rudolf Dressler (SPD), der Bischöfliche Offizial im Bistum
Münster, Martin Hülskamp, der ehemalige Ratsvorsitzende der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, sowie der
Pfarrer der evangelisch-lutherischen Weihnachtskirche in Bethlehem,
Mitri Raheb. Derzeit werde nach einem muslimischen Vertreter gesucht,
der zur Mitarbeit bereit sei, so Geschäftsführer Heiner Bremer.
"Weg der Verständigung gehen"
Sprecher Erdenberger betonte,
es gebe keinen anderen Weg als den der Toleranz und Verständigung für
die Menschen im Nahen Osten. Dafür werde DINO sich einsetzen. Die
Initiative werde sich bei aktuellen Anlässen zu Wort melden und "den
schwierigen Weg moderierend unterstützen", so der ehemalige
WDR-Chefredakteur und Chefkorrespondent. Im Kern gehe es um den
andauernden Konflikt zwischen Palästinensern und Israel, doch werde
der Fokus auch auf die Situation in den Nachbarstaaten Ägypten,
Libanon, Jordanien und Syrien gelenkt.
Mit dem Sitz von DINO in
Münster knüpfe man an die Tradition des Westfälischen Friedens von
1648 an, so Bremer. Die hier erfolgte Neuordnung der politischen und
religiösen Verhältnisse nach dem Dreißigjährigen Krieg diene der
Initiative als Vorbild. In Münster sollen Jahrestreffen sowie
regelmäßige Symposien stattfinden.
jsw/vvm/brg