Wiederauferstehung in Bethlehem

Als ich fuer vier Tage in den Osterurlaub nach Deutschland flog, ahnte ich nicht, dass daraus ein “Zwangsexil” werden wuerde. In Absprache mit meiner Organisation, dem EED (Evang. Entwicklungsdienst) und meinem Dienstgeber Mitri Raheb entschied ich, in Deutschland abzuwarten und die Zeit sinnvoll zu nutzen. So arbeitete ich fuer acht Tage beim EED in der Presseabteilung bzw. im Nahostreferat mit und hatte auch dreimal Gelegenheit, Vortraege ueber meine Arbeit und meine Erfahrungen in Bethlehem zu halten. Was mir der einmonatige Aufenthalt in Deutschland ganz klar gezeigt hat, sind zwei Dinge:
Traue den Medien nicht!
Hab’ keine grossen Hoffnungen in unsere Politiker!

Die Medien bringen wenig Hintergrundinformationen. Das, was sie ueber Israel und Palaestina schreiben wollen, muss erst durch den deutschen „Befangenheitsfilter“. Bekanntlich kommt dann unten nicht mehr viel heraus!
Die allermeisten Politiker, so habe ich wieder feststellen muessen, haben wenig Mut zu klaren Aussagen. Man will es allen Recht machen und dabei bleibt das Recht und die Gerechtigkeit auf der Strecke! Jeder ist sich selbst der Naechste, wenn er nur an die naechste Wahl denkt, die er natuerlich gewinnen will.

Seit wenigen Tagen bin ich wieder in Bethlehem. An allen Ecken und Enden wird ausgebessert, repariert, aufgeraeumt und gewerkelt. Auch in meiner Wohnung sind vier Fenster durchschossen worden.
Die Menschen lachen, sind wie immer freundlich, offen und begruessen mich mit grossem Hallo. Eifrig fragten sie mich „Wie geht es Dir? Wie war es in Deutschland? Wie geht es Deiner Familie in Deutschland?“, so als ob wir gerade daheim am bayerischen Untermain eine Invasion der Hessen ueberstanden haetten.
Mein Schuhhaendler gegenueber hat in wenigen Stunden fast alle seine Ware verloren. Die israelische Armee brach die Tuer ein – als er am naechsten Tag wiederkam, war das Geschaeft leer. Meinem Obsthaendler ging es aehnlich! Zwei von Dutzenden von Beispielen.

Allerorten Aktivitaet und Wiederaufbau. Das Leben geht weiter! Mit Allah wird es schon gehen! Von Rache und Vergeltung merke ich nichts!
Ein Kollege sagte mir jedoch wortwoertlich: „Diese 40 Tage der Belagerung haben mich veraendert. Ich war immer fuer ein nachbarschaftliches Miteinander mit den Israelis. Jetzt hasse ich sie!“
Wann endlich gibt es eine Zukunft fuer die Menschen hier? Wann, G.W.Bush, Joschka Fischer und Ariel Sharon, duerfen die Palaestinenser als Menschen leben?
Ich warte erst seit drei Jahren darauf, und werde schon ungeduldig. Die Menschen hier warten schon Jahrzehnten! Woher haben sie diese Kraft?

Johannes Zang, Musiklehrer, seit 1999 in Bethlehem


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