The International Center of Bethlehem
Bethlehem, am
Armenischen Weihnachtsfest, 19. Januar 2002
Christen
in Palästina laden zur Solidaritätsreise ein:
Reisen ins Heilige Land können eine wichtige persönliche Erfahrung sein.
Doch meistens fahren die Besucher an der Realität der Einheimischen vorbei. Der
Alltag von Christen und Muslimen bleibt ihnen verborgen.
Das Internationale Begegnungszentrum lädt ein, mit Solidarität ins
Heilige Land zu reisen. Bereits Anfang der neunziger Jahre bot das Abu
Dschubran Gästehaus eine Übernachtungsmöglichkeit in der Altstadt, um die
Isolation Bethlehems zu verhindern. Seit mehreren Jahren können Pilger und
andere Besucher Programme des “Authentischen Tourismus” von einem bis 14 Tagen
buchen, die die vielen Gesichter des Landes zeigen. Im Mai 2002 wird das Konferenzzentrum
der Dar Al-Kalima Akademie eröffnet werden.
Für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet des sozialverantwortlichen
Tourismus erhielt das Begegnungszentrum auf der Internationalen Tourismus Börse
Berlin im März 1997 die TODO!-Auszeichnung gemeinsam mit einem Projekt aus
Belize bei insgesamt 23 Bewerbern. Begründet wurde die Verleihung mit der
Beteiligung und Bewusstseinsbildung unter der lokalen Bevölkerung, der
Beteiligung vieler an den positiven Effekten des Tourismus, der Stärkung der kulturellen
Identität vor Ort, der Begegnungsfunktion für die verschiedenen Welten des
Landes und der Umweltverträglichkeit. Mitglieder in der Jury sind unter anderem
Vertreter und Vertreterinnen des Katholischen Auslands-sekretariats, der
Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Fachstelle Tourism Watch des
Evangelischen Entwicklungsdienstes, des Studienkreises für Tourismus und
Entwicklung sowie Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft.
Kürzlich starteten die Israelische Verkehrsbüros im deutschsprachigen
Raum eine Anzeigenkampagne, in der zu Reisen nach Israel eingeladen wird.
Ausdrücklich werden das Westjordanland und Gaza, und damit auch Bethlehem und
Jericho von einer solchen Reise ausgeschlossen. Fast alle Aussagen des
Direktors des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros über die Menschen in
Israel trifft auch auf die Menschen in Palästina zu, mit dem Unterschied, das
letztere von ihm gar nicht erst nicht erwähnt werden. Gastfreundschaft wird in
Palästina immer, nicht nur in Zeiten der Isolation gross geschrieben. Das
Internationale Begegnungszentrum konnte weiterhin Besuchprogramme entsprechend
der Philosophie des “Authentischen Tourismus” anbieten, auch wenn sie eingeschränkt
werden mussten. Durch Kontakte vor Ort, beispielsweise auch in den Dörfern bei
Bethlehem, werden Ausflüge nur in Situationen unternommen, die als sicher
gelten können. Gerade war eine Gruppe der Ökumenischen Arbeit der Evangelischen
Kirche Braunschweig auf Solidaritätsbesuch vor Ort, und die Gruppe fühlte sich
hier sicher.
Bethlehem ist ein lästiges Muss bei den von Israel aus gestalteten Reisen
gewesen, und wurde bei erstbester Gelegenheit "wegen der Sicherheit"
gestrichen. Reiseerlebnisse, die Leben und Kultur Palaestinas vermitteln,
wurden erst gar nicht zugelassen. Diese Praxis gilt insbesondere für die
sogenannten Promotionstouren, wie sie jetzt wieder von den Israelischen
Verkehrsbüros angeboten werden. Viele Multiplikatoren, die sich umfassend über
Reisemöglichkeiten informieren wollten, mussten nach der Reise feststellen,
dass ihnen Entscheidendes vorenthalten worden war. Deshalb muss eine
Promotionstour ganz anders aussehen: Sie muss Begegnungen mit Christen in
Galilaea und im Westjordanland enthalten. Sie muss Übernachtungen
beispielsweise in Jericho und Bethlehem anbieten. Sie muss neue und gut
erklärte Reiseerlebnisse in der arabischen Kultur vermitteln. Zu einer Reise
des Programms “Authentischer Tourismus” des Begegnungszentrums gehören solche Komponenten
dazu. Sich auf die entsprechenden Lernprozesse einzulassen, ist Aufgabe jedes
Christen, der sich der weltweiten Ökumene bewusst ist. Deshalb: Reisen können
stattfinden, und sie sollten Palästina in fairer Weise berücksichtigen.
Christen und alle interessierten Menschen sollten bewusst nach Bethlehem
fahren, nachdem sie dorthin Kontakt aufgenommen haben. Entgegen anderslautenden
“Empfehlungen” ist das Westjordanland und Bethlehem für Besucher nicht
abgesperrt. Je nach Massnahmen der Israelischen Armee müssen vielleicht Umwege
in Kauf genommen werden.
Das Internationale Begegnungszentrum lädt ein, sich selbst ein Bild zu machen. Am Beispiel Bethlehem lässt sich vieles erfahren, was den kulturellen Hintergrund der Bibel, das Zeugnis einer christlichen Minderheit und das Leiden und Hoffen der Menschen im Heiligen Land angeht. Bethlehem und seine Menschen, Palästina und seine Christen dürfen gerade jetzt nicht allein gelassen werden.