Wo Freude möglich ist ...

P.Sandra Olewine

Das Festival „Lieder der Freiheit“, das im Juli in Dar Annadwa ( im neuen Kulturzentrum der Evang. Gemeinde in Bethlehm) stattfand, was ein wunderbares Ereignis. Bei allen vier Konzerten erlebten die Zuhörer das neue Auditorium in seiner ganzen Schönheit und waren überrascht von der Qualität der Musik, von der Akustik und dem Licht. Nach jeder Abendveranstaltung brachten viele Leute noch zum Ausdruck, sie könnten es nicht glauben, dass es so etwas in Bethlehem gibt. Sie glaubten, sie seien in einem Theater irgendwo in Europa oder in Amerika. Nach dem letzten Abend waren die Menschen enttäuscht, dass das Festival schon vorüber war. Sie fragten, ob es nicht doch noch ein Konzert am Ende der Woche oder später gebe. Der Wunsch und die Sehnsucht nach solchen Erlebnissen in Bethlehem wurde so betont und deutlich.
Die größte Erfahrung für mich war, als am letzten Abend die chilenische Gruppe Quilaypan das Publikum mit ihrem Singen und Musizieren völlig in ihren Bann zog. Die Musik erfüllte Ad Dar mit Energie und Erregung. Das Publikum reagierte auf die Klänge und Rhythmen mit Klatschen und Bewegung. Das volle Auditorium schien vor Begeisterung zu vibrieren.
Nach einem besonders bewegenden Lied gab es einen Moment, in dem die Menge von ihren Sitzen aufsprang, klatschte, jubelte und pfiff. Die Vitalität war umwerfend. Ich musste hinausgehen, da es mir die Tränen in die Augen trieb, weil ich von dem, was ich hier erlebte, so ergriffen war. Es waren Töne und Klänge, die die in Bethlehem Lebenden schon lange nicht mehr gehört hatten. Es war der Klang reiner Freude.

Manche mögen sagen, dass es ein Klang war, der von Menschen geschaffen wurde, die für einen Augenblick lang die harte Realität, in der sie leben, vergessen konnten.
Aber für mich war es genau das Gegenteil. Für mich war er ein Zeichen für die Lebenskraft der Menschen trotz der harten Realität. Er verriet, dass all das, was im palästinensisch menschlichen Geist schön und kreativ ist, nicht zerstört werden konnte. Er verkündete allen, die hören konnten, dass die hier am Abend versammelten Leute nicht in die Knie gezwungen worden waren, um erniedrigt und gedemütigt sich zu ergeben.
Es war das Thema des Festivals: „Lieder der Freiheit“, das lebendig wurde.
Als ich - die Tränen mir aus den Augen wischend – durch die Halle schritt, dachte ich: „Wo Freude möglich ist, lebt auch die Hoffnung“. In jener Nacht in Ad-Dar hatten wir Teil an der Freiheit, die kommen wird, auch wenn die unterdrückerischen Kräfte, dieses Anrecht den Menschen hier verweigern.
Genau aus dieser Freiheit wächst Befreiung, Gerechtigkeit und Gesundung. Es könnte sein, dass das größte Geschenk dieses Festivals nicht die Entdeckung der neuen Halle oder das große Musikerlebnis war, sondern dass die Freude wieder ins Leben einzog.

(Aus dem Englischen übersetzt: Ellen Rohlfs)

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